Keine Kuschelkramperl

Krampusse sind mystische Gesellen. 

Dämonisch, rätselhaft, unergründlich. So genau will man es meist ohnehin lieber nicht wissen. Allerdings menschelt es auch  bei den dunklen Gestalten. Krampusse feiern sogar Geburtstag. 20 Jahre sind die Saalfeldner Wallner Kramperl heuer alt. Sie sind die einzige Krampusgruppe in Österreich, die unter der Schirmherrschaft eines Heeressportvereins steht. Am Kasernengelände befindet sich auch das Vereinsgebäude der Wallnerpass. Es verfügt neben einem geräumigen Aufenthaltsraum über eine gut ausgerüstete Werkstatt und Lagermöglichkeiten für die Ausrüstung der Mitglieder.

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Seit der Gründung im Jahr 1994 ist die Gruppe rapide gewachsen. Die Schützenkompanie versuchte Ende der 80er Jahr die Krampusläufe neu zu beleben.

Aufgrund des großen Erfolges bei der Bevölkerung konnten die Schützen die Auftritte allein nicht mehr bewältigen. Xandi Schäffer half ihnen als Leihkrampus aus und gründeten schließlich eine eigene Pass.

Heute zählt die Wallnerpass 40 Mitglieder ab 16 Jahre. Bei der Jugendpass, die 2008 gegründet wurde, laufen 20 aktive Krampusse mit. Die Masken der Mitglieder werden alle ausnahmslos selber geschnitzt, darauf ist Obmann Schäffer besonders stolz. Er ist als Experte den weniger erfahrenen Krampussen bei der Schnitzarbeit behilflich.

Die selbstgemachten Masken sind ein Markenzeichen der Wallnerpass und Bedingung für die Mitglieder. Jede der Masken aus Linden- und Zirbenholz ist ein einzigartiges Unikat. Entsprechend stolz sind die Wallner Kramperl auf ihre Ausrüstung. Das Gewand wird von einer Gerberei gekauft. Weiters gilt, Kuhschwänze sind tabu, weil sie für die Zuschauer zu schmerzhaft sind. (Hört man gern!)

„Wir sind noch Vorreiter des Brauchtums und haben keine Masken, die aussehen wie Zombies“, meint Xandi Schäffer. Dennoch müsse man mit dem Zeitgeist gehen. „Die Jugend setzt sich mit dem Brauchtum weniger auseinander, sie wollen ihre Shows zeigen. Die Vorbereitungen dafür sind enorm aufwändig, die Shows haben riesige Dimensionen erreicht und erhalten hohen Zuspruch vom Publikum“. Nach 20 Jahren beschreite die Pass damit bewusst moderne Wege, bleibe aber den Grundsätzen der Erhaltung des Brauchtums treu. Daher gibt es eine klare Trennung zwischen den traditionellen Auftritten mit Nikolaus und Pferdekutsche und den modernen pyrotechnischen Teufelsshows, die einer einstudierten Choreographie folgen.

Der Obmann ist heute nur noch mit der Organisation beschäftigt und ist als Krampus nicht mehr aktiv. Silvio Grill ist seit fast dreißig Jahren als Krampus unterwegs und seit der Gründung bei der Wallnerpass dabei.  Für ihn eine Tradition, die nicht verloren gehen soll. Kuschelkrampus will er keiner sein. Ein bissl schlagen gehöre dazu, so der langdienende Zottelmann.

Bei allen Auftritten sind heute Ordner unumgänglich. Diese schützen inzwischen weniger die Zuschauer vor den finsteren Gesellen, sondern passen auf, dass den Krampussen nichts passiert.

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Die Sicht der Teufel ist begrenzt, durch die schweren Felle sind sie in ihrer Bewegung beeinträchtigt. In den 20 Jahren der Vereinsgeschichte sei es aber noch nie zu größeren Schwierigkeiten gekommen, freut sich Schäffer. Nicht zuletzt deshalb, weil bei der Wallnerpass striktes Alkoholverbot gelte, ist der Vizeleutnant überzeugt.

Legendäres Bild vom letzten Jahr:  

Bürgermeister Erich Rohrmoser versucht sich verzweifelt aus den Fängen der Wallnerkramperl zu befreien ;-) Man möchte nicht in der Haut des Ortschefs stecken…

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