Die Mär von der Lügenpresse

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Gedenktag von Franz von Sales, dem Schutzpatron der Journalisten und Schriftsteller. Papst Pius XI hat den Bischof im Jahr 1922 anlässlich seines 300. Todestages für dieses schwierige Amt ernannt. BloggerInnen hat es damals noch nicht gegeben, aber ich hoffe, der Heilige ist auch für diese moderne Sparte der Schreiberlinge zuständig. Dieser Tage scheint er aber heillos überfordert. Die Zeichner in Paris hat er nicht vor dem Terroranschlag retten können und dem Blogger in Saudi Arabien droht noch immer die Bestrafung durch Peitschenhiebe. 
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Die Medienbranche ist ein gefährliches Pflaster. Viele Kollegen sitzen nicht in einer gemütlichen Provinzredaktion, wo das Skirennen und Bauernherbstfeste auf der Tagesordnung stehen. Afghanistan, Syrien, Ukraine, um nur einige Schauplätze zu nennen, sind riskante Einsatzgebiete, die ihren Tribut fordern. 66 ermordete Journalisten dokumentiert eine Statistik von Reporter ohne Grenzen. 
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Viel ist in diesen Tagen von der Meinungs- und Pressefreiheit die Rede, sie wird allerorts in den höchsten Tönen gepriesen und verteidigt. Das wäre an sich durchaus zu begrüßen, würde es dafür nicht einen tragischen Anlass geben. Aber wie steht es wirklich um dieses sensible umstrittene Pflänzchen?  
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Pressefreiheit – selbstverständlich, solange sie nicht den wichtigen Werbepartner verärgert. Oder der Meinung des Herausgebers widerspricht. Die eigene Leserschaft vor den Kopf stoßen könnte. Da wird in den Redaktionen gerne freiwillig zensuriert, beschönigt, retouchiert – ganz im Sinne der freien Presse. 
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paris_trauert

Besonderes Negativbeispiel bot zu diesem Thema ausgerechnet ein Foto über den Trauermarsch für die Terroropfer in Paris. Staats- und Regierungschefs aus mehr als 40 Ländern hatten sich in Paris eingefunden um an der Demo „teilzunehmen“. Gemeinsam mit dem Volk, Hand in Hand quasi.
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Das suggerierte zumindest die Berichterstattung.
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„Die Politiker gingen an der Spitze von Millionen Menschen“, hieß es .Tatsächlich entstand das Foto in einer Seitenstraße, wo sich die Damen und Herrn, natürlich gut geschützt durch ihre Sicherheitsleute, zu dem Foto aufstellten. Für diese Inszenierung hätte man durchaus Verständnis, wenn sie ehrlich kommuniziert worden wäre. Aber durch diese Art der Berichterstattung leistet man nur den unsäglichen Vorwürfen der Pegida Anhänger gegenüber der „Lügenpresse“ Vorschub. Nicht nur das, diese Vorgangsweise wurde teils sehr heftig und emotional verteidigt. Ein ARD Redakteur schreibt:
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„Heute geistern schon wieder wilde Verschwörungstheorien durch soziale und traditionelle Medien. Kritiker bemängeln, dass die Darstellung der Staats- und Regierungschefs am Sonntag in Paris eine reine Inszenierung gewesen sei. Ich möchte versuchen zu erklären, warum ich das für kompletten Unfug halte. Am Sonntag waren weit mehr als eine Million Menschen in Paris, um Mitgefühl, Solidarität  und das Eintreten für Meinungsfreiheit zu dokumentieren.  Nun kommen Kritiker um die Ecke und behaupten, wir hätten bewusst verschwiegen, dass die Politiker gar nicht gemeinsam mit den Demonstranten marschiert seien. Durch eine manipulative Bildauswahl seien die Zuschauer hinter die Fichte geführt worden. Es habe in vielen Medien – darunter in der Tagesschau – eine Inszenierung stattgefunden. Aber es ist doch so:  Wenn sich Politiker vor eine Kamera stellen, ist das immer eine Inszenierung, jede Pressekonferenz ist eine Inszenierung. Was die Berichterstattung betrifft: Kein Foto zeigt “die” Realität. Jedes Foto zeigt einen Ausschnitt, und gleichzeitig gibt es viel mehr, was das Foto nicht (!) zeigt. Das ist kein Frisieren, kein Zensieren und kein Inszenieren. Das ist Journalismus, das ist die Auswahl von Bildern, Ausschnitten und Fakten. Das ist harte journalistische Arbeit, die sich an ethischen und handwerklichen Standards messen lassen muss.“

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Lieber Herr Kollege, das ist  nicht Journalismus. Hier handelt es sich um üble Manipulation. Es stimmt natürlich, kein Foto kann die „Realität“ wiedergeben, die meisten Fotos sind „gestellt“, sonst wären sie nicht medientauglich. Aber es ist doch ein Unterschied, ob ich drei Politiker bei einer Pressekonferenz bitte gleichzeitig in die Kamera zu lächeln und einen Folder in der Hand zu halten. Oder ob ich sie vor eine Leinwand mit grüner Wiese stelle und behaupte es hätte sich um ein Picknick in freier Natur gehandelt..

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Mit solchen Aspekten sollte man vorsichtig umgehen. Weil es leider genug Beispiele gibt, wie tatsächlich hemmungslos gelogen und nicht nur „inszeniert“ wird.

paris

Das gleiche Bild wurde in einer jüdischen Zeitung veröffentlicht, allerdings ohne Frauen.

Die haben bestimmt auch gute Gründe dafür, warum so eine „Verschönerung“ notwendig, und keineswegs eine Lesertäuschung ist.

 

Dazu gibt es auch eine satirische Version …. Hier ist die Inszenierung wenigstens eindeutig erkennbar!

Auch wenn es zweifellos fragwürdige Auswüchse gibt – der Begriff Lügenpresse ist durch nichts zu rechtfertigen.

 

Nicht nur wegen seiner Herkunft als Nazi-Propaganda. Plakative Schlagworte wie diese bildeten deren Rückgrat und entsprach in ihren Augen den Bedürfnissen der primitiven Anhänger.

„Die Aufnahmefähigkeit der großen Masse ist nur sehr beschränkt, das Verständnis klein … aus diesen Tatsachen heraus hat sich jede wirkungsvolle Propaganda auf nur sehr wenige Punkte zu beschränken und diese schlagwortartig solange zu verwerten, bis auch bestimmt der letzte unter einem solchen Worte das Gewollte sich vorzustellen vermag.“ (Adolf Hitler, Mein Kampf).

Von der Lügenpresse zum Ruf nach diktatorischen Maßnahmen gegen unliebsame Medien ist es nicht weit. Wehret den Anfängen! Sonst wird der Heilige Franz von Sales die Hilfe vieler anderer Schutzpatrone brauchen …

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diePinzgauerin

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