Not-Herberge

Jugendliche in Schwierigkeiten haben seit Donnerstag die Möglichkeit auf einen Schlafplatz. Wie berichtet bieten die pinzgauermutmacher jetzt im ganzen Bezirk ein Zimmer für eine Nacht. Für Menschen ohne festen Wohnsitz gibt es im Pinzgau nur in Zell am See ein Notquartier.

Bürgermeister Hermann Kaufmann hat 2011 das gemeinsame Projekt von Pfarre, Caritas und Gemeinde initiiert. Es gab damals viele Zweifler und Gegenstimmen – Obdachlose sind keine Gruppe, die auf eine starke Lobby zählen kann. Dennoch haben sich zahlreiche freiwillige Helfer, allen voran Barbara Hirschbäck, bereit erklärt, die Betreuung der Notschlafstelle zu übernehmen.

Den Kritikern zum Trotz wurde  das Projekt ein voller Erfolg. Als diePinzgauerin am Ende des Winters nachfragte, zeigten sich alle Beteiligten hoch zufrieden.

Barbara Hirschbäck war beeindruckt von der Disziplin der Männer. Als Einzige in der Freiwilligengruppe mit Erfahrung in der Betreuung von Obdachlosen war sie auf schwierige Situationen vorbereitet. Es hätte allerdings keine Probleme gegeben, so Hirschbäck. Im Gegenteil, die Männer halfen mit, wo sie konnten, z. B. bei der Schneeräumung.

 

Diese waren froh über den Unterschlupf in dem besonders strengen Winter. Auch Obdachlose haben ihre Würde, erzählten die Männer, die sich aus allen Teilen des Pinzgaus in den Straßen der Bezirkshauptstadt angesiedelt haben. Hier haben sie Zugang zu Einrichtungen wie Caritas, Sozialamt und AMS, aber auch eine größere Anonymität.

Für Hermann Kaufmann war es ein besonderes Anliegen, eine permanente Unterbringung zu finden. Diese sollte auch eine Möglicht zum Aufenthalt während des Tages bieten.  Nun ist jedoch sogar die  Zukunft dieser ursprünglichen Notlösung gefährdet. Zell am See  und die anderen Gemeinden werden sich nicht über eine Kostenbeteiligung einig  …

Diese Herberge in der Pfarre wird übrigens auch von den Rolling Hearts mit Lebensmitteln versorgt. Sind wir wirklich schon so weit, dass soziale Aufgaben nur noch von engagierten freiwilligen Helfern übernommen werden?

 

Opfer Kind

Klara-015Passend zum vorigen Beitrag über die Notschlafstelle für Jugendliche erinnert der heutige Tag an die Gewalt an Kindern. König Herodes hatte alle Erstgeborenen in Bethlehem töten lassen, um alle möglichen Konkurrenten für den Thron auszuschalten. Der 28. 12. gedenkt dieses Massakers vor 2000 Jahren.

Um Jesus zu retten, mussten Josef und Maria nach Ägypten fliehen. Er wurde im Stall geboren, weil die Eltern niemand aufgenommen hat, und war kurz nach der Geburt auf der Flucht, weil sein Leben in  Gefahr war. Dieses Schicksal teilen viele Menschen.

Kinder erfahren weltweit und in allen sozialen Schichten Gewalt in unterschiedlichen Formen. Sie wird nach wie vor als „Erziehungsmittel“ eingesetzt und in Form von psychischer und physischer Form ausgeübt.  Das reicht von Ablehnung und Demütigungen über Ohrfeigen bis zu Prügelstrafen.

In Österreich ist Gewalt in der Erziehung erst seit 1989 verboten. In den Köpfen vieler Menschen spukt leider immer noch die Mär von der „gsunden Watschn“ herum. Und sogar ein vermeintlicher Held wie Felix Baumgartner steht zu dieser Form von Gewalt, weil es ihm schließlich auch nicht geschadet habe … Da wäre ich mir bei seinem Verhalten allerdings nicht so sicher.

 

Schlechter Krimi

 

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Die erste umfassende und wissenschaftlich fundierte Chronik über Zell am See wurde gestern im Ferry Porsche Center vorgestellt.  „Zell am See – Eine historische Zeitreise“, von Rainer Hochhold ist ab heute im Buchhandel erhältlich.  

Bei Michaela Weinlich bekommt man sie nur noch bis Ende Dezember. Die Tyrolia Buchhandlung in Schüttdorf gibt den Kampf um die Leserinnen und Leser auf.

Der Gegner heißt Amazon und ist aufgrund seiner Monopolstellung kaum zu besiegen. Der Onlinehandel boomt, und davon profitiert ein Konzern, der mit äußerst fragwürdigen Methoden arbeitet, wie inzwischen hinlänglich bekannt sein sollte. Die Praktiken wurden bereits letztes Jahr veröffentlicht und lösten zahlreiche Boykottaufrufe aus. Sie dürften längst wieder in Vergessenheit geraten sein.

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„Sogar Lehrer und die Wirtschafts- kammer bestellen bei Amazon“, empört sich Weinlich. Obwohl die Firma keine Steuern zahlt, in Ländern, wo sie Geld verdient. Obwohl die Firma ihre Arbeiter nicht nur schlecht bezahlt, sondern auch mies behandelt, wie mehrere under-cover Storys eindeutig belegen. Und obwohl die Firma den heimischen Buchhandel und zunehmend auch die Verlage ruiniert.

Es hat den Anschein, als würde das die modernen Konsumenten nicht stören. 2013 ist die Zahl der Buchhandlungen um 5,2 % gesunken.

Beim Lokalaugenschein ist in der Buchhandlung so viel los, dass Michaela Weinlich kaum Zeit hat für das Fotoshooting. Das ist das Weihnachtsgeschäft, aber es geht sich halt trotzdem einfach nicht mehr aus, berichtet die Buchhändlerin. E-Books, Amazon, und dazu eine exorbitant hohe Miete, da sei ein Überleben an diesem Standort nicht möglich. Es gibt ein Angebot für ein anderes Geschäftslokal, daher besteht noch Hoffnung, dass die Buchhandlung weitergeführt wird. Weinlich hört trotzdem auf, sie wird sich neu orientieren.

Also wer noch auf der Suche nach passenden Geschenken ist – Bücher gehen immer, selbst für Lesemuffel! Herrliche Bildbände warten darauf unter dem Christbaum so richtig zur Geltung zu kommen. Die Chronik von Zell am See kann wärmstens empfohlen werden, ein wirklich schönes Buch.

Ich hab’s übrigens auch nur durchgeblättert, in der Hoffnung, dass das Christkind … :-)

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Lenny muss sich jetzt auch an ein neues Platzerl gewöhnen – er kuschelt am liebsten unter der Kassa in der Buchhandlung.

 

Schwere Last, Teil 2

Die schönste Stadt der Welt hat sich heute von ihrem Bürgermeister verabschiedet.

Hermann Kaufmann war vier Jahre im Amt und wurde 56 Jahr alt.

Mein Vater war 21 Jahre Bürgermeister von St. Martin und wurde auch nur 56 Jahre alt.

Genauso leutselig und engagiert wie der Hermann. 1000 % im Einsatz.

Bis das Herz still stand.

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Diesen Rucksack hab‘ ich vom Hermann als Grundausstattung für seine Nostalgieveranstaltungen bekommen.

Jetzt ein Synonym für die Bürden des Amtes, ein „schwerer Rucksack voller Aufgaben“.