Es weihnachtete …

Während man heute so intensiv fotografiert, dass man die Bescherung oft nur durch die Linse miterlebt, wurde in meiner Kindheit der Heilige Abend nur recht spärlich bildlich festgehalten.

Ohne die deutschen Gäste gäbe es wahrscheinlich gar keine Fotos von meiner Familie unter dem Christbaum.  Die Vermietung von „Fremdenzimmer“ war noch neu und aufregend. Für beide Seiten. So war es selbstverständlich, dass die Urlauber Teil der Familie waren, und natürlich auch Weihnachten gemeinsam mit uns feierten…

 Der Baum stand im Keller, im Partyraum der Gäste. Schön kitschig, mit viel Lametta und Süßigkeiten. Im Laufe der Jahre wurde daraus ein  so genannter Bauernchristbaum mit Strohsternen und selbst gebastelten Schätzen. Der Partyraum wurde abgeschafft und die Gäste kommen jetzt entweder erst nach Weihnachten oder feiern allein.

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Die ersten Weihnachten, die dokumentiert wurden, sind noch schwarz/weiß. Das nächste Foto vom Fest ist bereits schön bunt, das Kleid zu kurz, das Packerl zu groß. Was drin war weiß ich heute leider nicht mehr, aber den kleinen Affen, der oben drauf sitzt, den gibt es noch.

Auch Fritzi der Bär ist immer noch ein treuer Begleiter. Ihn habe ich zum ersten Fest bekommen, aber davon gibt es leider noch keine Fotos, weil keine Gäste. Dafür verbinden mich mit dem geliebten Bär berührende Erinnerungen an Weihnachten – ähnlich der Geschichte, die mir Mundartdichterin Barbara Rettenbacher für den Platzhirsch  geschildert hat.

Barbara Rettenbacher mit ihrer Mutter

Die Autorin aus Niedernsill ist Jahrgang 1928, bei der Bergbauernfamilie waren selbstgemachte Zuckerringe am Christbaum das einzige Geschenk. Die kleine Barbara besaß allerdings eine kostbare Puppe, die sie von einer Hüttenwirtin bekommen hatte. Mit ihren langen blonden Haaren und den beweglichen Gliedern war dieses Prachtstück zur damaligen Zeit ein wahrer Luxus.

Wohl durch zuviel Liebe fehlte „Justi“ aber plötzlich ein Arm. Da konnte nur noch ein Weihnachtswunder helfen. Barbara diktierte der Tante einen Brief an das Christkind, der wurde mit der Puppe am Fensterbrett deponiert. Beides war am nächsten Tag verschwunden. Und siehe da, am Heiligen Abend lag die reparierte Puppe unter dem Baum. Für die Autorin ist das bis heute das schönste Geschenk überhaupt, wie sie sagt.

Der geliebte Fritzi verschwand alle Jahre wieder einige Wochen vor Weihnachten auf mysteriöse Weise. Nur um dann zu meiner großen Freude am Heiligen Abend wie neu unter dem Christbaum aufzutauchen. Das Christkind hat ihn stets schön gewaschen, und bei Bedarf liebevoll seine Pfoten ausgebessert. Wenn nötig bekam der Patient sogar neue Flicken aufgenäht.

Seit vielen Jahren hat das Christkind auf meinen Fritzi leider vergessen, obwohl er dringend einen Rundumservice benötigen würde. An der Schnauze weist er arge Abnützungserscheinungen auf. Hier ist noch der Originalstoff drauf, der schon recht löchrig geworden ist. Am Bauch gibt es  einige kahle Stellen im Fell…

Um Fritzi zu schonen hat das Christkind vor einiger Zeit einen neuen Kuschelbär gebracht. Der hat nicht nur meine Lieblingsfarbe, sondern heißt zudem Frizzly … Ein würdiger Ersatz. Der hat bisher aber noch nie ein Christkindlservice erhalten 😉

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diePinzgauerin

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