Stephanus, der erste christliche Märtyrer, dessen Gedenktag uns heute einen zusätzlichen Weihnachtsfeiertag beschert, war eine herausragende Persönlichkeit. Er kümmerte sich  um Hilfe für Bedürftige und Arme. Wie 2000 Jahre später auch, blieben aufgrund seines Einsatzes für Notleidende die Feinde nicht aus. Er wurde das Opfer spontaner Lynchjustiz, die Menge hat Stephanus vor den Toren Jerusalems gesteinigt.  Mit seinem Tod begann die Zeit der Christenverfolgung.

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Der Heilige galt schon bald als Pferdepatron, vermutlich sollte er die keltische Pferdegöttin Epona ersetzen. Diese Verdrängungstaktik war damals üblich, erfolgreiches PR für die noch unbekannte Religion …

In vielen Pfarren werden am 26.12. Pferdesegnungen durchgeführt. Auch die Weihe von Wasser und Salz ist üblich. Das Stefaniwasser erhielten die Pferde damit sie gesund blieben. 

Der Nachbar heißt nicht nur Stefan, er ist auch ein Pferdenarr. Gerade um diese Zeit ist er viel mit der Kutsche unterwegs. Vor allem Touristen lassen sich gerne durch die herrliche Winterlandschaft kutschieren. Aber keine Sorge, es besteht noch keine Staugefahr ;-) So viele Kutschen wie hier sind nur an besonders schönen Tagen unterwegs. 

 

Während man heute so intensiv fotografiert, dass man die Bescherung oft nur durch die Linse miterlebt, wurde in meiner Kindheit der Heilige Abend nur recht spärlich bildlich festgehalten.

Ohne die deutschen Gäste gäbe es wahrscheinlich gar keine Fotos von meiner Familie unter dem Christbaum.  Die Vermietung von „Fremdenzimmer“ war noch neu und aufregend. Für beide Seiten. So war es selbstverständlich, dass die Urlauber Teil der Familie waren, und natürlich auch Weihnachten gemeinsam mit uns feierten…

 Der Baum stand im Keller, im Partyraum der Gäste. Schön kitschig, mit viel Lametta und Süßigkeiten. Im Laufe der Jahre wurde daraus ein  so genannter Bauernchristbaum mit Strohsternen und selbst gebastelten Schätzen. Der Partyraum wurde abgeschafft und die Gäste kommen jetzt entweder erst nach Weihnachten oder feiern allein.

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Die ersten Weihnachten, die dokumentiert wurden, sind noch schwarz/weiß. Das nächste Foto vom Fest ist bereits schön bunt, das Kleid zu kurz, das Packerl zu groß. Was drin war weiß ich heute leider nicht mehr, aber den kleinen Affen, der oben drauf sitzt, den gibt es noch.

Auch Fritzi der Bär ist immer noch ein treuer Begleiter. Ihn habe ich zum ersten Fest bekommen, aber davon gibt es leider noch keine Fotos, weil keine Gäste. Dafür verbinden mich mit dem geliebten Bär berührende Erinnerungen an Weihnachten – ähnlich der Geschichte, die mir Mundartdichterin Barbara Rettenbacher für den Platzhirsch  geschildert hat.

Barbara Rettenbacher mit ihrer Mutter

Die Autorin aus Niedernsill ist Jahrgang 1928, bei der Bergbauernfamilie waren selbstgemachte Zuckerringe am Christbaum das einzige Geschenk. Die kleine Barbara besaß allerdings eine kostbare Puppe, die sie von einer Hüttenwirtin bekommen hatte. Mit ihren langen blonden Haaren und den beweglichen Gliedern war dieses Prachtstück zur damaligen Zeit ein wahrer Luxus.

Wohl durch zuviel Liebe fehlte „Justi“ aber plötzlich ein Arm. Da konnte nur noch ein Weihnachtswunder helfen. Barbara diktierte der Tante einen Brief an das Christkind, der wurde mit der Puppe am Fensterbrett deponiert. Beides war am nächsten Tag verschwunden. Und siehe da, am Heiligen Abend lag die reparierte Puppe unter dem Baum. Für die Autorin ist das bis heute das schönste Geschenk überhaupt, wie sie sagt.

Der geliebte Fritzi verschwand alle Jahre wieder einige Wochen vor Weihnachten auf mysteriöse Weise. Nur um dann zu meiner großen Freude am Heiligen Abend wie neu unter dem Christbaum aufzutauchen. Das Christkind hat ihn stets schön gewaschen, und bei Bedarf liebevoll seine Pfoten ausgebessert. Wenn nötig bekam der Patient sogar neue Flicken aufgenäht.

Seit vielen Jahren hat das Christkind auf meinen Fritzi leider vergessen, obwohl er dringend einen Rundumservice benötigen würde. An der Schnauze weist er arge Abnützungserscheinungen auf. Hier ist noch der Originalstoff drauf, der schon recht löchrig geworden ist. Am Bauch gibt es  einige kahle Stellen im Fell…

Um Fritzi zu schonen hat das Christkind vor einiger Zeit einen neuen Kuschelbär gebracht. Der hat nicht nur meine Lieblingsfarbe, sondern heißt zudem Frizzly … Ein würdiger Ersatz. Der hat bisher aber noch nie ein Christkindlservice erhalten ;-)

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Eine einzige besonders fürwitzige Knospe hat sich heute doch noch geöffnet. Naja, zumindest so weit, dass man es schon als Blüte durchgehen lassen kann.

Denn dadurch „blüht“ mir für 2014 ja Glück und Segen!

Was die Prophezeiung mit der anstehenden Hochzeit betrifft, habe ich mich soweit schlau gemacht, dass ich davon ausgehe, dass das  auch für den Familienkreis „gilt“ …

Das Christkind kommt. Aber leider erst am Abend. Also wohin mit den Kindern? Stundenlang vor den Fernseher hocken ist zwar praktisch, aber schlecht für Hirn und Augen. Zahlreiche sinnvollere Möglichkeiten zum Zeitvertreib bieten sich an – seit Jahren hat z.B. auch der Salzburger Flughafen am 24.12. ein abwechslungsreiches Programm … 

Es war einmal eine Tante, die als Single auserwählt war  Nichten und Neffen am 24. Dezember bei Laune zu halten. Schifahren, eislaufen, Museumsbesuch – alles nicht kreativ genug. Die Eltern drängen auf etwas Besonderes für die lieben Kleinen: Flugzeuge schauen, das wär doch was. Flieger

Ausgerechnet am Heiligen Abend auf einem Flughafen herumlaufen erscheint der Tante zwar nicht sehr verlockend. Man muss hinzufügen, dass ihr nicht nur Flugzeuge herzlich egal sind, die Tante ist überhaupt kein Fan von Menschenmassen und meidet tunlichst Shoppingcenter, Großkonzerte etc…

Aber weil Weihnachten … also Flughafen.  So wie Millionen aufgeregte Kinder mit überforderter Begleitung auch :-(  Die natürlich alle gleichzeitig zu den Flugzeugen wollen. Man könnte auch basteln. Aber basteln ist fad, wenn man wegen der Flugzeuge gekommen ist.

Also rein in die riesige Warteschlange zum Rollfeld. Dort wird gedrängt, geraunzt, gegrantelt. Bald machen sich auf beiden Seiten Abnützungserscheinungen bemerkbar. Die Tante ist nervlich angeschlagen, ein Kind hat Hunger, eins muss auf’s Klo … und eins ist weg!

Es soll ja Leute geben, die in solchen Situtionen gelassen bleiben, vorerst nicht das Schrecklichste annehmen und genau wissen was zu tun ist. Eure Bloggerin gehört zu den Menschen, die das ihr anvertraute Kind bereits irgendwo verbluten sieht, geraubt, auf jeden Fall noch verzweifelter als man selber gerade ist.

Weil Weihnachten ist überspringe ich den ganzen unerfreulichen Teil der Suche nach dem vier Jahre alten Knirps und verrate gleich das Happy End. Wir haben Markus am Rollfeld wieder in die Arme geschlossen. Der Kleine saß bestens gelaunt in einem Flieger und hatte uns noch gar nicht vermisst. Der kluge Kerl hatte einfach nicht mehr länger warten wollen und schon mal ohne uns das Areal erkundet …

Also wäre echt schade um den Salzburger Flughafen, wenn sich die Bayern durchsetzen … allein schon wegen dem 24.12. ;-) 

Aus dem damaligen Drama ist inzwischen übrigens eine herrliche Weihnachtslegende geworden, die alle Jahre wieder zur Unterhaltung im Familienkreis beiträgt. Wir waren im nächsten Jahr übrigens eislaufen. Das war lustig, entspannend und nix is passiert!

Liebes Christkind,

ich bin schwer beeindruckt, dass du anscheinend meinen Blog liest und das mit der Wunschliste so gut funktioniert hat.

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Wenn mich nicht alles täuscht, dann entsprechen Gewicht und Umfang des Packerls, das du schon abgeliefert hast, der von mir erhofften Chronik von Zell. Ich lasse mich zwar gern von dir überraschen, aber in dem Fall ist die Vorfreude auch sehr schön.

Ein Buch lag auch 1950 unter dem Baum, um den mein Vater (re.) mit seinen Schwestern und den Nachbarbuam versammelt ist. In der Stube hat sich seither nicht viel verändert, aber die gemeinsamen Abende mit den Nachbarn sind rar geworden. Heute sitzt man halt eher vor Fernseher und Computer, als gemeinsam Karten zu spielen und zu hoagaschtn.

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