Geben & Nehmen

Dankeschön?   Geschenk?  Bestechung?  

Feiertage und Jahreswechsel, da blüht in Österreich viel Brauchtum. Aber nicht nur Nikolaus, Krampus, Christkind und Sternsinger kommen um diese Zeit ins Haus. Gern läutet auch der Briefträger, der die Post sonst nur im Kastl deponiert, und überbringt Gute Wünsche. Der Kaminkehrer schaut mit einem Kalender vorbei. Es ist üblich, dass sie ein Trinkgeld erhalten, dessen Höhe sich nach dem Grad der Zufriedenheit mit ihren Leistungen richtet. Wer will kann sich auch bei Hausmeister, Arzt, Friseur etc. mit einer Spende bedanken. Auch bei seinem Zeitungszusteller könnte man sich bedanken, sofern er diese nicht regelmäßig in den Gatsch wirft … Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Der Dankbarkeit sehr wohl. Read more…

Lady in red

Es ist nur ein kleines, eher unscheinbares Büchlein, in dem Kleidermachermeisterin Regina Wienerroither eine interessante Entdeckung machte. In der “Ostmark Fibel” aus dem Jahr 1940 ist eine Frau in Tracht aus dem Lessachtal abgebildet. Sie trägt eine tiefrote Bluse und rote Stutzen. Für Wienerroither ein klares Zeichen dafür, dass die Frauen früher mehr Mut zur Farbe bekannten. Read more…

Keine Kuschelkramperl

Krampusse sind mystische Gesellen. 

Dämonisch, rätselhaft, unergründlich. So genau will man es meist ohnehin lieber nicht wissen. Allerdings menschelt es auch  bei den dunklen Gestalten. Krampusse feiern sogar Geburtstag. 20 Jahre sind die Saalfeldner Wallner Kramperl heuer alt. Sie sind die einzige Krampusgruppe in Österreich, die unter der Schirmherrschaft eines Heeressportvereins steht. Am Kasernengelände befindet sich auch das Vereinsgebäude der Wallnerpass. Es verfügt neben einem geräumigen Aufenthaltsraum über eine gut ausgerüstete Werkstatt und Lagermöglichkeiten für die Ausrüstung der Mitglieder. Read more…

Sündiges Walzen

Kathreintanz

Der katholischen Kirche war Tanzen lange ein Dorn im Auge. Im Mittelalter war es Christen zeitweise vollständig untersagt. Bestimmte Tänze galten immer wieder als unsittlich und unschicklich. Sogar der beliebte Wiener Walzer landete bekanntlich auf dem Behördenindex. Der enge Körperkontakt zwischen Männern und Frauen und die be- schwingte Ausgelassenheit waren verpönt. Das ”Herumschwenken und Wirbeln” der Tänzerinnen passte der Obrigkeit gar nicht, weil dadurch unerwünschte nackte Haut zu sehen war.   Read more…

Trauer-Voyeurismus

Gibt es spezielle Pinzgauer Begräbnisrituale?

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“Mit einem schlichten Begräbnis nach Pinzgauer Brauch wurde Bankier Heinrich Treichl in seiner Heimatgemeinde Leogang bestattet.”  War diese Woche den Salzburger und Pinzgauer Nachrichten zu entnehmen. 

Schlichtes Begräbnis nach Pinzgauer Brauch? Was muss ich mir darunter vorstellen? Als Pinzgauerin mit ausgeprägtem Interesse für Brauchtum und leider reichlich Erfahrung mit Begräbnissen, ist mir neu, dass es Begräbnisse nach Pinzgauer Brauch gibt. Schlicht noch dazu.

Man lernt nie aus, aber ich dachte bisher die Art eines Begräbnisses richte sich eher nach der Religionszugehörigkeit der Verstorbenen. Jedenfalls haben sich die Begräbnisse außerhalb des Pinzgaus, an denen ich teilgenommen habe, nicht von denen unterschieden, die ich hier besucht habe.

Je nachdem wie bekannt, prominent oder engagiert der oder die Verstorbene war, rücken die jeweiligen Vereine aus. Das ist meines Wissen aber auch zwischen Dornbirn und Gramatneusiedl üblich.

Aber anscheinend ist es im Pinzgau Brauch, dass  Trauerfamilien bei Beerdigungen fotografiert werden!  Ist mir zuletzt bei der Verabschiedung vom Zeller Bürgermeister Hermann Kaufmann aufgefallen, dass man sich nicht scheut, die trauernden Angehörigen aus nächster Nähe abzulichten. Auch die Familie von Heinrich Treichl findet sich jetzt in den Medien wieder! Mit Nahaufnahmen vom Friedhof!

DSC06845Muss das sein? Wollen die LeserInnen das wirklich sehen? Wenn ja, ist es notwendig, diesen Voyeurismus zu bedienen?

Als ich an dieser Stelle vor kurzem das Foto der Opfer des Unfalls auf der B 311 kritisiert habe, gab es zahlreiche Reaktionen, die darauf hinwiesen, dass es doch in allen Medien viel schlimmere Bilder geben würde. Wozu also die Aufregung!

Nun, ich bin prinzipiell der Meinung Missstände gehören bekämpft und nicht kopiert. Es besteht in meinen Augen ein Unterschied zwischen schrecklichen Bildern aus einem Krisengebiet, die unter Umständen der Information über die Zustände bzw. die Not der Bevölkerung dienen. Und Fotos, die nur die Neugierde und Sensationslust befriedigen.

Auch von mir und meiner Familie wurden während der Beerdigung meines Vaters Fotos gemacht, die veröffentlicht wurden. Der verantwortliche Journalist hat mir kürzlich erklärt er habe sich hinterher dafür geschämt.